Konzert


Sonntag, 21. Oktober 2018, 18.00 Uhr

Georg Friedrich Händel

 

Saul

 

Nadežda Senatskaya, Sopran
Beat Duddeck, Altus
Goetz Phillip Körner, Tenor
Albrecht Pöhl, Bass

Hannoversche Hofkapelle
Kantorei Herrenhausen
Leitung: Martin Ehlbeck


Mittwoch, 17. Oktober, 19.30 Uhr

Einführung in das Werk

Referent: Martin Ehlbeck
im Gemeindehaus der Herrenhäuser Kirche, Hegebläch 18

Plakat

Über das Werk

Saul (HWV 53) ist ein Oratorium in drei Akten von Georg Friedrich Händel (1685–1759). Dieses abendfüllende Werk ist in Hannover lange Zeit nicht zu hören gewesen. Die Darbietung dieses Werkes aus der Zeit des Hochbarock ist sicherlich eine Bereicherung für jeden, der Händels Musik schätzt und sein Oratorium "Messias" liebt.

Das Oratorium beginnt mit einem Triumphgesang der Israeliten für den Sieg über die Philister, bei dem David den Goliath besiegt hat. Saul gehört zu den dramatischsten Oratorien Händels. Wie kaum in einem anderen Oratorium zeigt sich in seiner mitreißenden Dramatik die Nähe zur damaligen Oper. Händel findet eine Bandbreite ausdrucksstarker Charakterisierungen mit Musik, die auf herausragende Weise z. B. sowohl die Unberechenbarkeit Sauls als auch den tugendhaften Charakter Davids transportiert. Der Chor fungiert erstmals als zentraler Bestandteil einer dramatischen Handlung, übernimmt aber auch kommentierende Funktionen wie in der griechischen Tragödie. Die Partitur fordert ein farbiges Orchester: Zusätzlich zum normalen Barockorchester kommen auch Posaunen, Harfe, Orgel, Glockenspiel sowie große Kesselpauken und Barockschlagwerk zum Einsatz.

Die berühmte Geschichte vom Sieg des Hirtenjungen David über den Riesen Goliath, die bis heute sprichwörtlich ist, wenn ein Underdog einen Stärkeren in die Knie zwingt, kommt in Händels Werk nicht direkt vor, ist aber der entscheidende Anstoß für alles, was darin passiert. Für seine Heldentat wird David vom Volk so begeistert gefeiert, dass Saul nicht ganz grundlos um seine Position fürchtet. Noch dazu verschwört sich die Jugend gegen ihn.

Stärker als in anderen Oratorien Händels spielt im "Saul" die Instrumentalmusik eine dramatisch wichtige Rolle. Die mehrteilige "Symphonie" vor Beginn des 1. Aktes hat zwar nur Einleitungsfunktion; dagegen sind die sechs als "Symphonie" bezeichneten Sätze innerhalb des Stückes direkt in das dramatische Geschehen einbezogen. Die Skala der Ausdrucksmöglichkeiten reicht vom Harfenspiel Davids über die zweisätzige Symphonie anlässlich der Hochzeit Davids mit Michal, die Orgel-Gavotte, bis hin zu der großen Schlachtmusik, mit der der Kampf Sauls gegen die Amalektiter geschildert wird. Am eindrucksvollsten ist der Trauermarsch, unter dessen düsteren Klängen Saul zu Grabe getragen wird. Dieser Trauermarsch gelangte zu weltweiter Berühmtheit. Er wurde beim Begräbnis von Winston Churchill, von George Washington und bei der Beisetzung des ermordeten Abraham Lincoln gespielt. In Deutschland ist dies der Standard-Trauermarsch, der bei Staatsbegräbnissen gespielt wird, wie zum Beispiel beim Begräbnis von Richard von Weizsäcker oder in jüngerer Zeit bei Helmut Schmidt.